Wenn alle plötzlich Kopfschmerzen bekommen – die unsichtbare Gefahr
Ein gemütlicher Abend, plötzlich Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit – und gleich mehrere Menschen fühlen sich gleichzeitig krank. Was zunächst wie ein harmloses Unwohlsein aussieht, kann auf eine lebensgefährliche Kohlenmonoxidvergiftung hinweisen. Das Gas ist unsichtbar, geruchlos und kann Menschen bewusstlos machen, bevor sie die Gefahr erkennen.
Wie gefährlich diese Situation werden kann, zeigte ein Vorfall im Dezember 2024 in Giswil OW. Bei einem gemeinsamen Nachtessen in einem Zelt erlitten 26 Menschen eine Kohlenmonoxidvergiftung. 17 Personen mussten ins Spital. Als wahrscheinliche Ursache identifizierten die Ermittler kohlebetriebene Tischgrills.
Gerade mit Beginn der Heizsaison verdient dieses Risiko besondere Aufmerksamkeit. Nicht nur Grills, sondern auch Feuerstellen, defekte Heizungen, Stromgeneratoren und sogar Pelletlager können gefährliche Kohlenmonoxidkonzentrationen verursachen. Besonders tückisch ist, dass Betroffene ihre Beschwerden häufig nicht sofort mit einer Vergiftung in Verbindung bringen.
26 Menschen vergiftet – ein Abend mit dramatischen Folgen
Am 7. Dezember 2024 trifft sich eine Gesellschaft auf einem Campingplatz in Giswil zu einem Nachtessen in einem Domzelt. Gegen 22.30 Uhr klagen mehrere Gäste über Unwohlsein, einzelne verlieren das Bewusstsein.
Insgesamt werden 26 Menschen verletzt, 17 müssen hospitalisiert werden. Zwei Rettungshelikopter und zahlreiche Rettungsdienste stehen im Einsatz.
Die Untersuchung des Forensischen Instituts Zürich ergibt später, dass die verwendeten kohlebetriebenen Tatarenhüte als Ursache für die hohe Kohlenmonoxidbelastung im Vordergrund stehen.
Der Fall zeigt, wie aus einer vermeintlich ungefährlichen Situation ein medizinischer Notfall entstehen kann. Die Ermittlungen zur Vergiftung in Giswil verdeutlichen zudem die Risiken von Holzkohle in geschlossenen oder unzureichend belüfteten Bereichen.
Warum der Körper die Vergiftung nicht sofort erkennt
Kohlenmonoxid entsteht insbesondere bei unvollständiger Verbrennung kohlenstoffhaltiger Stoffe.
Das Gas bindet sich an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin und beeinträchtigt dadurch den Sauerstofftransport im Körper. Besonders empfindlich reagieren Gehirn und Herz.
Zunächst können Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel auftreten. Bei zunehmender Belastung drohen Verwirrtheit, Bewusstlosigkeit und schwere Organschäden.
Weil Kohlenmonoxid die Atemwege nicht wie Rauch reizt, fehlen häufig eindeutige Warnsignale.
Wenn mehrere Menschen gleichzeitig krank werden
Ein entscheidender Hinweis wird im Alltag leicht übersehen: Mehrere Personen entwickeln in kurzer Zeit ähnliche Beschwerden.
Besonders verdächtig ist es, wenn sich die Symptome innerhalb eines Gebäudes verstärken und im Freien nachlassen.
Auch ungewöhnliche Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme können auftreten. Solche Beschwerden sollten bei vorhandenen Verbrennungsgeräten niemals vorschnell als Kreislaufproblem abgetan werden.
Ein normales Pulsoximeter kann eine Kohlenmonoxidvergiftung nicht zuverlässig ausschliessen.
Selbst ein Pelletlager kann gefährlich werden
Eine besonders wenig bekannte Gefahrenquelle sind Holzpellets.
Die Suva warnt davor, Pelletlagerräume ohne geeignete Sicherheitsmassnahmen zu betreten. Holzpellets können Kohlenmonoxid freisetzen, auch wenn gerade keine Heizung betrieben wird.
In geschlossenen Lagerräumen kann sich das Gas anreichern.
Wartungs- und Kontrollarbeiten gehören deshalb in die Hände entsprechend geschulter Fachpersonen. Vor dem Betreten müssen die erforderlichen Lüftungs- und Messmassnahmen durchgeführt werden.
Ein offenes Garagentor macht Motorabgase nicht harmlos
Auch Verbrennungsmotoren produzieren Kohlenmonoxid.
Deshalb sollte ein Auto niemals längere Zeit im Leerlauf innerhalb einer Garage betrieben werden – auch nicht bei geöffneter Garagentür.
Dasselbe gilt für benzinbetriebene Generatoren. Sie gehören ins Freie und benötigen ausreichenden Abstand zu Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen.
Ein gekipptes Fenster oder eine geöffnete Tür bietet keinen verlässlichen Schutz vor gefährlichen Gaskonzentrationen.
Warum ein Rauchmelder allein nicht genügt
Herkömmliche Rauchmelder erkennen Rauchpartikel. Kohlenmonoxid können sie normalerweise nicht messen.
Dafür werden spezielle CO-Warnmelder benötigt. Sie können bei steigender Gaskonzentration rechtzeitig Alarm geben.
Solche Geräte sind insbesondere in Gebäuden mit Feuerstätten oder anderen möglichen CO-Quellen sinnvoll.
Sie ersetzen allerdings weder die fachgerechte Installation noch die regelmässige Wartung von Heizungen und Abgasanlagen.
Im Notfall zählt jede Minute
Bei Verdacht auf eine Kohlenmonoxidvergiftung sollten alle Betroffenen das Gebäude unverzüglich verlassen und ins Freie gehen.
Bei akuten Beschwerden ist der Rettungsdienst unter 144 zu alarmieren. Besteht weiterhin eine Gefahr im Gebäude, muss auch die Feuerwehr unter 118 verständigt werden.
Niemand sollte einen belasteten Raum ohne geeignete Schutzausrüstung betreten, um andere Personen zu retten. Dadurch könnten zusätzliche Opfer entstehen.
Tox Info Suisse berät bei Vergiftungsfragen unter der Nummer 145.
Erst nach fachlicher Abklärung und Freigabe darf ein betroffener Bereich wieder betreten werden.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert