Reifendruck wird unterschätzt – warum schon wenig Luftverlust gefährlich ist
Der richtige Reifendruck gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für sicheres Autofahren. Trotzdem wird er häufig vernachlässigt. Bereits 0,5 bar zu wenig können das Brems- und Lenkverhalten deutlich verschlechtern, obwohl der Reifen äusserlich völlig normal aussieht. Besonders bei Regen, hohen Geschwindigkeiten und plötzlichen Ausweichmanövern kann diese Nachlässigkeit gefährliche Folgen haben.
Die Reifen sind die einzige direkte Verbindung zwischen Fahrzeug und Strasse. Sie müssen beim Bremsen, Beschleunigen und Lenken enorme Kräfte übertragen. Stimmt der Luftdruck nicht, verändert sich ihre Verformung und damit das Fahrverhalten. Im schlimmsten Fall drohen Kontrollverlust, Aquaplaning oder ein Reifenplatzer.
Der Touring Club Schweiz (TCS) hat die Auswirkungen von zu geringem Reifendruck untersucht. Die Ergebnisse zeigen, wie stark selbst vermeintlich kleine Abweichungen die Fahrsicherheit beeinflussen können. Deshalb gehört die regelmässige Druckkontrolle zu den einfachsten und wirksamsten Vorsorgemassnahmen für Autofahrer in der Schweiz.
Warum der Reifendruck über die Sicherheit entscheidet
Ein Autoreifen besteht aus einer beweglichen Konstruktion, die sich während der Fahrt ständig verformt. Der Luftdruck trägt dazu bei, dass der Reifen unter Belastung seine vorgesehene Form behält.
Ist der Druck zu niedrig, verformen sich die Seitenwände stärker. Das Fahrzeug reagiert weniger präzise auf Lenkbewegungen und kann bei schnellen Richtungswechseln instabil werden.
Auch beim Bremsen verändert sich die Kraftübertragung. Je nach Fahrbahn und Reifentyp können sich die Bremswege verlängern.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) betont deshalb, dass korrekter Reifendruck für Haftung, Kurvenstabilität und Bremsverhalten sicherheitsrelevant ist.
Bei Regen wird zu wenig Luft besonders gefährlich
Auf nassen Strassen müssen die Reifen Wasser verdrängen, um den Kontakt zum Asphalt aufrechtzuerhalten.
Ist der Luftdruck zu niedrig, kann sich das Aquaplaningverhalten deutlich verschlechtern. Bei Aquaplaning schwimmt der Reifen auf einem Wasserfilm auf. Lenk- und Bremskräfte werden dann kaum noch übertragen.
Der TCS stellte bei Versuchen mit reduziertem Reifendruck an allen vier Rädern ein bis zu doppelt so hohes Aquaplaningrisiko fest.
Besonders gefährlich ist dies bei Autobahntempo, in Spurrillen und bei starkem Regen. Ein plötzliches Ausweichmanöver kann dann ausreichen, um die Kontrolle über das Fahrzeug zu verlieren.
Zu wenig Luft kann einen Reifen zum Platzen bringen
Eine weitere Gefahr entsteht durch Wärme.
Bei zu geringem Druck wird der Reifen während jeder Radumdrehung stärker durchgewalkt. Die zusätzliche Verformung erzeugt Wärme und belastet die Reifenstruktur.
Besonders kritisch wird dies bei längeren Autobahnfahrten, hohen Aussentemperaturen und voller Beladung.
Im Extremfall kann die Reifenstruktur versagen. Ein Reifenplatzer bei hoher Geschwindigkeit kann einen schweren Unfall verursachen.
Auch zu hoher Reifendruck ist keine gute Lösung
Manche Autofahrer glauben, ein möglichst hoher Reifendruck sei automatisch sicherer. Das stimmt nicht.
Zwar kann eine vom Hersteller vorgesehene leichte Druckerhöhung den Rollwiderstand reduzieren. Deutlich überhöhte Werte können jedoch Fahrkomfort und Verschleissverhalten beeinträchtigen.
Entscheidend ist nicht eine möglichst hohe Zahl, sondern die passende Druckvorgabe für Fahrzeug, Reifendimension und Beladung.
Bei voller Beladung oder längeren schnellen Fahrten können andere Sollwerte gelten als im normalen Alltagsbetrieb.
Warum die Warnleuchte nicht ausreicht
Moderne Autos verfügen über ein Reifendruckkontrollsystem. Dennoch sollten sich Fahrzeuglenker nicht ausschliesslich darauf verlassen.
Direkt messende Systeme überwachen den Druck über Sensoren. Indirekte Systeme erkennen Veränderungen anhand der Raddrehzahlen.
Verlieren alle vier Reifen gleichmässig Luft, kann ein indirektes System dies unter Umständen nicht erkennen.
Auch deshalb ist die manuelle Kontrolle wichtig. Der TCS empfiehlt eine Prüfung mindestens einmal monatlich und vor längeren Fahrten.
So kontrolliert man den Reifendruck richtig
Die Druckwerte stehen gewöhnlich an der Fahrertür, an der Tankklappe oder in der Betriebsanleitung.
Gemessen wird bei kalten Reifen, möglichst vor Fahrtbeginn. Während der Fahrt erwärmen sich die Reifen, wodurch der gemessene Luftdruck ansteigt.
Nach einer Druckkorrektur muss das Kontrollsystem je nach Fahrzeug neu initialisiert werden.
Zur vollständigen Reifenkontrolle gehören ausserdem die Prüfung von Profiltiefe und Reifenzustand sowie die Kontrolle auf Risse, Beulen und Fremdkörper.
Eine kleine Kontrolle kann schwere Unfälle verhindern
Falscher Reifendruck ist besonders tückisch, weil er sich im normalen Fahrbetrieb zunächst kaum bemerkbar machen muss.
Erst in einer Notbremsung, einer schnellen Kurve oder bei starkem Regen werden die fehlenden Sicherheitsreserven sichtbar.
Wer seine Reifen regelmässig kontrolliert, reduziert dieses vermeidbare Risiko. Wenige Minuten an einer Luftdruckstation können deshalb einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert